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Das MédusenFloß
(The Raft of the Medusa) - 1819 - Théodore Géricault

 

 

Zwölf Überlegungen über das MédusenFloß von Géricault
(Louis DOUCET)

1. Es ist die Beziehung einer Tatsache der Aktualität, aber einer sehr alten Aktualität, von der nur das von Géricault gemalte Bild bleibt, Kannibalismusgerüchte, ein Skandalgeschmack, von dem man nicht mehr weiß, ob es dem historischen Ereignis oder der Malerei, die im Salon von 1819 ausgestellt wurde, zurückführbar ist.

2. Die Zusammensetzung ist eine pyramidenförmige Struktur, deren Basis die Oberfläche des Meeres ist. Eine Pyramide menschliches Fleisch, totes oder moribundes. Einige der Protagonisten tragen Bandagen an den Füssen. Koketterie, unnötige Vorsichtsmaßnahme oder Kunstgriff, um die Multiplikation von unästhetischen Füssen zu vermeiden? Sind wir auf einem Floß, oder am Geschäft einer Metzgerei?

3. Und jedoch handelt es sich um Hoffnung. Das heilbringende Schiff ist in Sicht. Man schüttelt Lappen, um sich hervorzuheben. Der Gipfel der Pyramide wird von einem schwarzen Mann dargestellt, der einen roten Lappen schüttelt. Der wohllebende schwarze Mann, ein Hoffnungsträger für eine Ladung von untergehenden weißen Männer. Unannehmbar für die Zuschauer von 1819. Die Sklaverei ist noch unerlässlich, vorgeschrieben. Nur in 1848, wird Lamartine das Befreiungsdekret unterzeichnen.

4. Géricault läutet wie Jericho. Keine Trompete jedoch, aber man sieht ein Mauer, ein menschlicher Fleischmauer, wie eine Wallecke mit seinem eingestürzten zusammengeworfenen Strebepfeiler.

5. Es war auch ein gewalttätiges Plädoyer gegen die Unfähigkeit, die Verantwortungslosigkeit und die Bestechung der Regierung von Louis XVIII, die Befehlsposten aufgrund der Noblesseviertel und nicht der technischen Kapazitäten anvertraute. Aber dies ist zu alt, um uns es heute zu begreifen.

6. Man erzählt, dass Delacroix als Modell für den jungen Mann, der auf dem Bauch mit seinem linken Arm auf einem diagonalegestellten Balken liegt, gedient hat. Der Körper sieht tot aus, aber er bleibt gespannt, wie der eines Lebender. Und es ist nicht die Leichenstarrheit. Der Meister ohne Gesicht in Agoniephase. Ist es nicht eine Art und Weise, die Haltestaue fallen zu lassen, um seine Unabhängigkeit herauszuschreien?

7. Die blassen Körper liegen in einem caravaggiste Zwielicht. Bewusstlosigkeit, plötzliche Stöße der Agonie, Verzerrungen der enttäuschten Hoffnung. Eine Vorwegnahme des Theaters der Grausamkeit, der Artaud so teuer sein wird.

8. Provokation oder Journalismus? Die Frage bleibt ohne Antwort, sogar wenn die Debatte heute überschritten ist, und das Werk nur als Manifest einer klassischgewordene und fast aseptisch Romantik analysiert und wahrgenommen wird.

9. Michelet schrieb: „Es ist Frankreich, es ist unsere ganze Gesellschaft, die er auf diesem MédusenFloß einschifft.“ Es ist wahrscheinlich, weil es dort um soziale, politische und künstlerische Konflikte, um Anfechtung der Macht, geht. Eine berühmte französische Praxis… seit langem…

10. Anfechtungsgegenstand, der ästhetischer Genussgegenstand geworden ist. Die Nebenwirkung der Aktualität gehen über. Das Erhabene der Kunst bleibt.

11. Das heilbringende Schiff ist ein nicht zu unterscheidender Punkt am Horizont geworden. Die Segel des Floßes führen es in der Gegendirektion. Bild der Gegensätzlichkeit? Andeutung einer Hölle, ein Schreckensabgrund, wo der Wille des Menschen den feindseligen Elementen unterworfen wird?

12. Der Held, ein schwarzer Mann oder eine Mischling, der von einem weißen Mann unterstützt wird, zeigt ein Bild der Brüderlichkeit in der Not. Die Geschichte ist jedoch ganz anders: Schlägereien unter dem Einfluss des Alkohols, Eliminierung der Schwächsten und der Verletzten, Aufgliederung der Leichname, um als Nahrung zu dienen. Unter dem Pinsel von Géricault wird die Tiernatur als Menschheit verändert. Betrug oder unsinnige Hoffnung?

 

 

   

 

 

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AUTEUR

> Louis DOUCET